erstellt am 11.12.2019 16:08:10 von C. Stridde

18.12. Recht, Ritual und höfischer Gott V. 5267–5633 (Morgan), V. 15047– 15764 (Gottesurteil)


Lektürehinweise: Eine der schwierigsten und meistumstrittenen Episoden des Gottfriedschen Tristan-Romans ist das sogenannte Gottesurteil, dessen sich Isolde aufgrund anhaltenden Zweifels an ihrer Rechtschaffenheit und Treue gegenüber ihrem König Marke zu unterziehen hat. Das nach der Logik des Rechtsrituals im Prinzip unzweifelhaft die Wahrheit ans Licht bringende Heiße Eisen wird "gekühlt" durch Isoldes gelüppeten (vergiftetet Eid), das Isolde unbeschadet tragen kann. Damit ist der Beweis geführt. Der Beweis wessen? Ist schon nicht ganz eindeutig formuliert, was mit dem Ordal eigentlich bewiesen werden soll, formuliert der Erzählerkommentar einen zweifelhaften Beweis, der sich nicht auf die Schuld Isoldes bezieht, sondern auf die Rolle Gottes bei der Urteilsfindung. Die Interpretationen in der Forschung changieren im Spektrum zwischen Kritik am Ordal als kirchlicher Rechtspraxis (oder der Kirche überhaupt) durch Gottfried und einer Instrumentalisierung des transzendenten Gottes für das übersteigerte Ideal der Tristan-Minne. Aber welche Rolle spielt Gott überhaupt in Gottfrieds Tristan? Wie "verhält" er sich in der erzählten Welt zum kirchlichen und feudalen Recht (vgl. auch Morgan-Episode)? Kann man in einem mittelalterlichen Roman von Gott als einer "Figur" sprechen, die dem Formwillen eines Autors in gleichem Maße unterworfen ist, wie der Rest der fiktionalen Welt?

Diskussionszusammenfassung: Wichtige Punkte, welche aus Schilds Argumentation hervorgehoben wurden, waren die Fragen ob Gottfried das Gottesurteil oder sogar Gott selbst kritisieren wollte und die Frage nach der Rolle, welche die Wahrheit in der Szene spielt. Der Begriff "Wahrheit" selbst wurde hinterfragt, und es wurde diskutiert, wovon dieser Begriff, insbesondere beim Gottesurteil, abhängig ist. Dem entgegengesetzt wurde der von Gottfried verwendete Begriff "valscheit". Ein weiterer wichtiger Begriff war die "êre", da festgehalten wurde, dass die Ehre und die Wahrheit in der Höfischen Gesellschaft, in welcher der Roman spielt, nur schwer voneinander zu trennen sind. Auch Tristan und Isolde unterliegen dieser höfischen Ehre vollständig, was bereits in der Minnegrotte Episode ersichtlich wurde. Der gesamte "Fall", welcher im Gottesurteil entschieden wird, ist also nur entstanden, weil im höfischen Gefüge ein Verdacht entstand, welcher die Ehre ins Wanken brachte. Daraus schliessend entstand schlussendlich die Frage, ob dies bedeutet, dass auch Gott in seiner richterlichen Funktion als "höfischer Gott" angesehen werden sollte, was dann auch wieder den Bogen spannte zur anfänglichen Frage zu Gottfrieds Verhältnis zu Gott. Man könnte auch daraus schliessen, dass Gottfried Gott zur fiktionalen Figur macht, wodurch er ihn problemlos kritisieren und anpassen könnte.

erstellt am 27.11.2019 15:36:58 von C. Stridde

11.12. Minnetrank und Minneethik im Kontext von Minne-Erzählung z.B. 11875–12568 (Minnetrank, einschl. Minneexkurs)


Lektürehinweise: Die Minnegrotte als architektonische Imagination der Liebe mit allegorischer Bedeutung bleibt ein schwer faßbarer Teil des Minnekonzepts im Tristan-Roman Gottfrieds von Straßburg. Das starke Hervortreten des Erzählers mit seinem "autobiographischen" und "erfahrungsgesättigten" Wortmeldungen tut sein übriges für den Eindruck des permanenten Oszillierens zwischen "nein" und "ja"; eben den zwîvel und arcwân, denen Marke verfallen ist und die erzähllogisch die Minnegrottenszene flankieren. Zwîvel und arcwân führen Tristan und Isolde in die Verbannung, zwîvel und arcwân bringen sie zurück an den Hof. In die Welt kommen sie mit dem Minnetrank, die immerwährende Liebesvergiftung, die scheinbar sowohl eine natürliche Liebe negiert als auch die Schuldfähigkeit der Liebenden an ihrem fragwürdigen Tun löscht. Die edelen herzen verschwinden mit dem Trank ebenfalls aus dem Text. Was weiter erzäjlt wird, oszilliert zwischen Betrug/Täuschung/Verrat auf beiden Seiten und mit schwieriger Metaphorik oder Allegorie versehenen Exkursen des Erzählers über die Vollkommenheit und Idealität der Minne (vgl. unsere Diskussion zur Minnegrotte). Aber welcher? Der Beitrag Rainer Warnings beschäftigt sich mit dem schwierigen Problem der sog. "Tristanminne" und ihrer Realisation im narratologischen Entwurf des Erzählens im Paradigma in radikaler Abwendung von der narratologisch syntagmatischen Lesbarkeit des Romans in einer einer Linie vom Minnetrank zum Minnetod und einer romantizistischen Bewertung der Liebe vor dem Hintergrund eindeutiger normativer Orientierung. Es wäre zu diskutieren, inwiefern die Episodizität des Romans, die sich durch Listhandeln und einer "narrativen Must an der List" strukturiert, die Legitimität ethischer Fragestellungen untergräbt und auf welche Weise sich die ethisch-ästhetischen Einlassungen des Erzählers insbes. in den Exkursen (oder auch der MInnegrotten-Szene) dazu verhält.

Diskussionszusammenfassung: Die grundsätzliche These, die Rainer Warnings Beitrag verfolgt, ist das Fehlen von Tragik im Tristan-Stoff. Warning versucht dies anhand Lotmans Konzept des sujethaften-syntagmatischen Erzählens zu veranschaulichen (vgl. Folien zur Sitzung). Demgegenüber weist Warning die Struktur eines nicht-sujetjaften paradigmatischen Erzählens im Tristan Gottfrieds von Straßburg nach. Anstatt eindeutig positiv und negativ semantisierten Räumen, geht Warning dort von "nicht-markierten" Normen aus, es gibt keine sich kontrastiv gegenüberstehenden Räume (z.B. Artuswelt vs. Anderwelt), der Held, Tristan, ist kein eindeutig normbrechender Ereignisträger. Norm und Transgression liegen als dekonstruierte bereits vor; die Dekonstruktion erweist sich dabei als gesellschaftskonstitutiv. Die Geltung dieses Konzept wurde etwa anhand der Minnegrotte diskutiert: Auch hier gilt das Prinzip der List ("Sujet im Kleinen" nach Warning), die das Paradigma aufrechterhält und Syntagma verhindert. Die Liebenden betreten die Grotte nur für kurze Zeit, im Moment der Entdeckung täuschen sie durch das Schwert und können an den Hof zurückkehren. Sie tun alles um die Gesellschaft zu restabilisieren, dies aber auf Grundlage nicht markierter Normativität (vgl. die Schwierigkeit der Unvereinbarkeit von êre und minne) Das Dilemma des paradigmatischen Konzepts ist die Frage, wie man einen Roman beendet, der kein Ende hat. Die logische Folge des Minnetranks, auf die alles hinausläuft und aus der sich die romantizistische Tragik (vgl. Richard Wagner) speist, ist der Minnetod. Da aber laut Warning bei Gottfried kein Sujet und dadurch auch keine Tragik vorhanden ist, kann es den tragischen Minnetod nicht geben. Die "narrative Lust an der List" ist das eigentliche Erzählschema von Gottfrieds Tristan, ein Ausweg aus dem Dilemma liegt im Fragment, aus welchen Gründen auch immer es als solches entstanden ist (Warning läßt durchblicken, daß Gottfried am Schema gescheitert ist, den wiederholt prospektivierten Minnetod nicht mehr als notwendig tragisch erzählen konnte, da er der narrativen Lust an der List erlegen war).

erstellt am 20.11.2019 15:37:46 von C. Stridde

27.11. Minnegrotten-Allegorie (V. 16679-17658)


Lektürehinweise: Die beiderseitigen Listen zur herrschaftsgefährdenden Sichtbarmachung und herrschaftssichernden Verheimlichung der illegitimen Minne vor dem Hintergrund des anhand H. Wenzels diskutierten Öffentlichkeit/Heimlichkeits-Modell finden vorerst ihr Ende in der Augenzeugenschaft Markes (als "Privatmann" ohne Hof) in der zweiten Baumgartenszene (ohne Ölbaum). Was zuvor im Bereich der (verschiedentlich ausgeleuchteten) Nacht (Kerze hinter Schachbrett, Begegnung der Liebenden im Mondschein, die Verräter als dunkle Schatten vor der "öffentlichkeitswürdigen" Begegnung Tristans und Isoldes) verblieben war, erreicht in der zweiten Baumgartenszene (das Tageslicht, einen Bereich der Öffentlichkeit, der auch Marke zugänglich ist. Zuvor aber hatte Marke gegenüber den Entdeckungsepisoden (insbes. Mehlstreuszene) aufgrund vorher öffentlich akzeptierter vertraulicher Gesten Tristan und Isolde vom Hpf verbannt: ein letztes Aufbäumen gegenüber dem totalen Ehr- und Herrschaftsverlust durch die Dichtbarmachung des bisher Unentdeckten. Die Liebenden flüchten in die Minnegrotte, dem geheimsten aller geheimen Orte, den man nicht suchen kann, sondern nur finden. Die Unörtlichkeit des Ortes weist die Minnegrotte als Allegorie aus; die erste in der deutschsprachigen Literatur überhaupt. Hier sollten die Liebenden ihr Paradies gefunden haben. Haben Sie aber nicht. Warum? Wie verhält sich hier das Modell von Öffentlichkeit und Heimlichkeit, von Sichtbarem und Unsichtbarem, von Wirklichem und Unwirklichem? Und welche Rolle spielt das Geschichtenerzählen?

Diskussionszusammenfassung: Bevor man sich Volker Mertens' Vergleich des höfischen Lebens, der Klosterkirche und der Minnegrotte widmen kann, muss man sich zuerst die grundlegenden Fragen stellen: Gibt es die Minnegrotte? Kann/Soll es sie überhaupt geben? Dafür analysierten wir Gottfrieds Beschreibungen und die Bedeutung des Erzählers, der zwar noch nie in Cornwall gewesen sei, aber die Minnegrotte bereits besucht habe. Bei der Minnegrotte handelt es sich um einen zeit- und ortslosen Unterschlupf, ein irdisches Paradies, das aber auch eine physische Präsenz zu haben scheint, da man sie durch Âventiure finden kann. Auch der sie unmittelbar umgebende Bereich (amoener Naturort) kann von Markes Wirklichkeit durchquert werden. Die Frage, mit der wir uns beschäftigten, war, ob die Minnegrotte als allegorisch oder wirklich im Imaginären der Literatur zu gelten habe. Dabei waren vor allem die Schilderungen des Erzählers als Erfahrungszeuge des Speisewunders (ab V. 16909) und als Besucher der Grotte wichtig (ab V. 17110). Dass die Minnegrotte eine erfundene Idee, ein literarisches Konzept von Gottfried ist, ermöglicht es ihr wirklich und allegorisch zugleich zu sein. Das, zunächst verwirrende, Schillern zwischen Wirklichkeit und Allegorie ist das Ziel des literarisch Imaginären. Dabei sind die autobiographischen Schilderungen des Erzählers bewusst irritierend und garantieren gleichzeitig Wahrheit. Im Vergleich zur Klosterkirche, die durch ihre Form und Existenz im irdischen Leben, innerhalb der Heilsgeschichte, der Zeitlichkeit und Räumlichkeit unterworfen ist, wird die archaische Minnegrotte weder in Raum noch Zeit beschränkt und soll so die vollkommene Liebe ermöglichen. So ließe sie sich (nach Mertens) auf der anagogischen Auslegungsebene als Allegorie betrachten, die einen aktiven Weg hin zur Erkenntnis Gottes oder in diesem Fall eben der vollkommenden Liebe beschreibt. Das Inserat der exkurshaften Minnegrottenschilderung hinterläßt intrikate Fragen für die Gesamtkonzeption des Romans und den Status der Tristan-Liebe: Glaubt man der Minnegrotte als Durchgangsstadium zur wahren Liebe oder ist sie ihr Endpunkt? Gottfried erschuf die Minnegrotte gemäß des Prolog-Programms zur kurzewîle seines idealen Publikums, die edelen herzen, Tristan und Isolde werden nach Einnahme des Minnetranks nicht als solche bezeichnet. Wieso sind sie trotzdem in der Grotte, und wieso bleiben sie nicht dort? Fragen, die zu keinen eindeutigen Ergebnissen führen; sicher ist nur, dass die Minnegrotte das Versprechen der Vollkommenheit unmöglich einlösen kann, ohne ihren Status als Ideal zu verlieren.

erstellt am 13.11.2019 15:43:54 von C. Stridde

20.11. Zeichenspiele: Wer lesen kann ist klar im Vorteil. (z.B. V. 13451–13672 [Marjodos Ebertraum], V. 15047–15266 [Mehlstreuszene], V. 14385–15046 ([Baumgarten])


Lektürehinweise: Zeichentheoretische Interpretationsansätze, wie sie Draesner für die Isolde-Weißhand-Episode als Climax der Sprach-(Klang)-Listen verfolgt, spielen auch in solchen List-Episoden eine Rolle, in denen es um nicht-sprachliche Zeichen geht. Jeweils geht es um Kompetenzen in unterschiedlichen, konträr zueinander stehenden Zeichenräumen: Öffentlichkeit und Nicht-Öffentlichkeit, Sichtbares und Unsichtbares, Gesagtes und Gemeintes. Das erarbeitete Zeichenmodell (an die Stelle des Wortes tritt die Spur, das Symbol, das Bild) und seine signifikanten Störungen an den unterschiedlichen durch Multiplikation oder Wegfall von Systemstellen läßt sich in der Mehlstreuszene, in Marjodos Ebertraum und der sich anschließenden Entdeckung des Liebeshandelns und der Baumgartenszene (geschnitzte Zeichen, Melot und Marke auf dem Baum) weiterverfolgen. Jeweils handelt es sich um verschiedene Arten von Zeichen (Ikon, Index, Symbol?), oszillierend zwischen den Sphären von Sichtbarem und Unsichtbarem, und unterschiedliche Interpreten, die sich in jeweils anderen Verhältnissen zu dem Liebespaar befinden. Inwiefern stehen diese Episoden untereinander und mit denjenigen, in denen es um Sprach-Klang geht, in Verbindung (Reihung oder Entwicklung?), gibt es einen Kompetenzzuwachs und/oder -vorsprung? Und wie lassen sich die Zeichenprozesse wieder an den Rezeptionsvorgang und auf die Kunstästhetik/-ethik aus Prolog und Literaturexkurs zurückbinden?

Diskussionszusammenfassung: Die Diskussion wurde entlang des Strukturmodells zum Verhältnis von Öffentlichkeit/Sichtbarkeit/Licht und Heimlichkeit/Unsichtbarkeit/Dunkel nach H. Wenzel geführt. Während Öffentlichkeitsfähiges und Zustimmungswürdiges (am Hof) den Repräsentationsraum füllt und über selektive Sichtbarmachung nur den Schein der Wirklichkeit erzeugt, verbleibt Nichtöffentlichkeitsfähiges und Nichtzustimmungswürdiges im Bereich der Heimlichkeit. Zwar sind die Sphären als Systeme im Prinzip voneinander getrennt, es wird jedoch über die Grenze hinwegerzählt. Dabei fallen dem klangliche Zeichen (clebeworte, Musik, verräterische Geräusche hinter dem Schachbrett), symbolische (Ebertraum, Schachbrett als Liebessymbol, Buchstaben auf Holzspänen, Ölbaum als biblisches Symbol des Verrats), ikonische (Schattenform im Ölbaum) und indexikalische (Spuren im Schnee, Geräusche, Schatten), Zeichen, die jeweils der (Un-)Lesbarkeit durch die Figuren unterliegen, eine wesentliche Rolle. Dem Kontrast von Hell und Dunkel und seiner Inversion kommt dabei eine besondere Bedeutung zu (Spuren im Schnee durch Mondschein erhellt, Kerzenlicht hinter dem Schachbrett, dunkle Schatten der Verräter vor dem hellen Mondschein). Das komplexe Verhältnis der Zeichen korrespondiert mit der Durchlässigkeit der Sphären des Strukturmodells: um die Wahrheit in der Heimlichkeitssphäre zu sehen, müssen die Verräter (und Marke) notwendigerweise selbst auf die "dunkle Seite" wechseln. Öffentlich und v.a. rechtlich wirksam wird das Verheimlichte erst, wenn es öffentlich sichtbar wird (zweite Baumgartenszene). Aufgrunddessen hängt von der Stabilität und Begrenzung der Sphären auch die Stabilität und Kontinuität von Herrschaft ab.

erstellt am 07.11.2019 09:38:36 von C. Stridde

13.11. Sprach-Macht und Klang-Ohnmacht (z.B. 10065–10226 [Tristan/Tantris], V. 7962–8132 [Isolde als Sängerin], V. 11875–12028 [lameir], V. 12965–13025 [clebeworte], V. 18949–19548 [Isolde Weißhand])


Lektürehinweise: Die auffällige Klanglichkeit von Identitätsausweis und Vertrauenstiftung, die in den Listhandlungen entfaltet und ausgespielt wird, läßt sich an mehreren Episoden des Romans weiterverfolgen. Zunächst ist es nur Tristan, der mit künsterlich elaboriertem süezem gedoene den Hof (Cornwall, Irland) täuscht. Von ihm erlernt auch Isolde den Gesang der Sirenen, die Gabe mit Sprach- und Musikklang zu betören und zu täuschen, aber auch die Kompetenz Sprachzeichen auf ihre formale Struktur hin zu befragen und vom Gegenstand zu distanzieren als Voraussetzung für List (vergifteter Eid). Die Entdeckung von Tristans wahrem Namen aus Tantris, das lameir-Wortspiel nach Einnahme des Minnetranks und der Erzählerkommentar zu den clebeworten sind dafür symptomatisch. Diese besondere List/Kunst, welche das Liebespaar gegenüber der Gesellschaft vereinzelt, ließe sich mit dem ethisch-ästhetischen Kunstprinzip, das Gottfried in Prolog und Literaturexkurs entwickelt, in Verbindung bringen (Überlegungen zum Verhältnis von perspicuitas und obscuritas ließen sich hier anschließen). Der Beitrag Draesners nimmt weniger den Klang als akustisches Phänomen als den spezifischen Zeichencharakter sprachlicher Äußerungen in den Blick. Die Isolde-Weißhandepisode steht dabei im Fokus als ein entwicklungslogischer Schlußpunkt der Episodenreihe sprachlich erzeugten Listandelns. Es stellt sich unter anderem die Frage nach dem Verhältnis von beidem, Sprachklang und Sprachzeichen, gerade auch im Hinblick auf die Wirkungsästhetik des Romans.

Diskussionszusammenfassung: Die Diskussion knüpft an die ersten List-Episoden (vgl. Pilger V. 2620-2787 und Tantris V. 7231-8225) an, wo die Exorbitanz Tristans in Bezug auf seinen Gesang, sein Auftreten und sein Sprechen paradigmatisch hervortritt. Ulrike Draesner stellt in ihrem Aufsatz die aussergewöhnliche Sprachkompetenz Tristans vor den Hintergrund zeichentheoretischer Überlegungen. Tristan lotet die nicht-eindeutigen Relationen innerhalb des semiotischen Dreiecks dahingehend aus, dass er das Verstehen resp. Interpretieren seiner Umwelt für seine Sprech- resp. "Bedeutungsintention" nutzt (vgl. Draesner, 1996: S. 92). Isolde wird als ideale Rezipientin in Tristans exorbitantes Sprachsystem inkorporiert, wodurch es zur kommunikativen Vereinzelung des Liebespaars innerhalb der ‚leseunfähigen' Gesellschaft kommt. Das von Tristan und Isolde etablierte idealiter-Kommunikationssystem stösst an seine Grenzen, als es in der Isolde-Weisshand-Episode (V. 18949-19548) mit einer fatalen Störung konfrontiert wird, im Zuge derer Tristan seine "Sprachmacht" verliert (Vgl. Draesner, 1996, S. 92f.) Durch die Trennung von der irischen Isolde als alleinig kompetente Interpretin von Tristans Rede bricht das elitäre Sprachsystem zusammen. Die Problematik von Präsenz - Absenz - Fernreferenz führt zur Verwirrung der Beziehungsverhältnisse. Die sowohl idealiter (vgl. den Höhepunkt in den clebeworten, V. 12965-13025) als auch ex negativo (vgl. den Kollaps in der Isolde-Weisshand-Episode) ausgestellte aussergewöhnliche Sprachkompetenz Tristans und Isoldes verweist poetologisch auf die in prolog und Literaturexkurs entworfene Wirkungsästhetik Gottfrieds. In seiner bewussten künstlerischen Gestaltung auf eine ganz bestimmte Wirkung beim Rezipienten abzielend (vgl. vröude) verweist der Tristan-Roman in besonderem Masse auf seine eigene Machart, reflektiert diese und führt sie im Laufe der Handlung progressiv, d.h. in seiner Wirkung steigernd, vor.

erstellt am 30.10.2019 15:48:55 von C. Stridde

06.11. Adelsidentität und Listhandeln: Zur Legitimität von Tristans Täuschungsmaneuvern (z.B. V. 2620–2787, V. 7231–8225)


Lektürehinweise: Das Motiv der List spielt im Tristan eine zentrale Rolle, wenn man nicht gar in ihm den "archimedische Punkt" (Bertau) des Romans überhaupt erkennen mag. Zum einen wird das Lexem mhd. list, verstanden als 'Kunst', insbesondere 'Dichtkust', bereits im Prolog und im Zusammenhang mit dem "guten Werk" des Dichters an der Gesellschaft (vröude) und dessen Förderer (DIETERICH?) eingeführt und im Literaturexkurs ethisch wie ästhetisch ausgekleidet, zum anderen ist list dasjenige Mittel, mit dem Tristan zunächst seine fehlende Identität mit erfundenen Biographien ersetzt, später seine wahre Identität und die Liebe zu Isolde verschleiert. In der Tristan-Figur kommen beide list-Semantiken (Kunst und Täuschung) zusammen und werfen in ethischer Hinsicht durchaus Fragen auf. Inwiefern ist Täuschungshandeln im Tristan als eine ethisch und im Kontext adlig-christlicher Lebensführung legitime Kunst verstehbar, vertretbar und sogar als Ausweis besonderer adliger Eignung erstrebenswert? Heiligt der Zweck die Mittel, oder sind im Kontext des Romans die Mittel an sich schon "heilig"? Der Beitrag von Zotz vermittelt einen Eindruck vom Verständnis der "List" und ihren Funktionen, ihren Legitimitätsanspruch in feudaler Interessensdurchsetzung, ihren ethisch-christlichen Hintergrund und als literarisches Motiv in unterschiedlichen zeitgenössischen Diskursen. Eine solche historische Kontextualisierung kann hilfreich sein, das Empörungspotential im Hinblick auf Täuschung und Lüge, welches der Roman unweigerlich für moderne Rezipienten hat, einzuordnen und mit dem spezifisch ästhetischen Anspruch Gottfrieds an dem Begriff list zu verbinden.

Add: Der im Seminar erwähnte und empfohlene Titel zum Vertrauensthema ist folgender: Niklas Luhmann, Vertrauen. Ein Mechanismus der Reduktion sozialer Komplexität. Konstanz - München 2014 (140 S.)

Diskussionszusammenfassung: Der Beitrag von Thomas Zotz befasst sich mit der Konnotation der "List" im Bezug auf den Stand des mittelalterlichen Adels und wie dieser in Chroniken dargestellt ist. Dazu besteht offensichtlich eine Verbindung der christlichen Deutung der Odysseus-Figur, die als "der Listreiche" galt und mit der Gabe gesegnet sei, dem Teufel widerstehen zu können (vgl. Odysseus' listreicher Widerstand gegen die verführerische Macht der Sirenen). Zotz diskutiert anhand unterschiedlicher Erzählungen aus Chroniken und Herrschervitae positive Konnotatio-nen der List, wie Schlauheit bzw. caliditas, und Verwegenheit (des eigenen Landesherren) sowie negativen, wie Lüge und Falschheit (des politischen Gegners). Folglich nimmt die List aufgrund der wesenseigen gutsprechenden Chroniken stehts einen positiven Ton an. Da je-doch ein Herrscher immer kontextgebunden in einer spezifischen Situation agiert und die List aufgrund äusserer, widriger Umstände dem Allgemeinwohl dient, steht sie trotzdem im relati-vierenden Konflikt mit einer grundsätzlichen Wertung der List als Missetat von dem Hinter-grund christlicher Ethik (Thomas von Aquin, Albertus Magnus). In der Begegnung Tristans mit den Pilgern fällt die äusserst genaue Beschreibung der Pilger insofern auf, da äußere Attribute ein unverwechselbares Bild des Friedens imaginieren. Jedoch entscheidet sich Tristan für eine List, seine Identität zu verbergen. Bei der ersten Ankunft Tristans als Tantris in Irland wird diese Erkennenslogik erneut aufgegriffen, weil Tristan aufgrund süeze[n] Gesangs und süeze[n] Spiels auf der Harfe erneut seine wahre Identität verschleiert und gleichzeitig auf sie hinweist. Vielmehr wird Tristan/Tantris außerhalb jeder Ordnung wahrgenommen, als marteraere (heili-gen Märtyrer), den Engeln gleich (got möhte in gerne hoeren in sînen himelskoeren). Tristan als Tantris erspielt sich das Vertrauen der anderen, Klang gilt als Wahrheitsbeweis der Kohä-renz zwischen Gesamgtem und Wirklichkeit.

erstellt am 23.10.2019 15:49:30 von C. Stridde

30.10. Wie man einen Hirsch schlachtet: Kunst, Ritual und höfische Identitätsstiftung (V. 2759-3504)


Lektürehinweise: Die sogenannte Hirschbast-Szene ist wahrscheinlich für einen neuzeitlichen Leser eine der seltsamsten Episoden in Gottfrieds Tristan-Roman. Eingebunden ist sie in die erste List-Episode, in der Tristan das erste Mal über seine (vermeintliche) Identität lügt. Im Prinzip geschieht das gänzlich unmotiviert, da er auf exemplarische Figuren des Vertrauens trifft, zwei Pilger, deren Reputation er später selbst als gelingende Maskierung nutzt. Die Darlegung der besonderen, dem Marke-Hof fremden Jagdkunst intoniert Tristans Auftritt am Hof seines Onkels als herausragender Jägermeister. Daß Protagonisten aufgrund ihrer besonderen Fähigkeit bei der Großwildjagd bereitwillig Einlaß an einen fremden Hof erlangen, ist ein verbreitetes Motiv vor und nach Gottfrieds Tristan-Bearbeitung. Es stellt sich aber die Frage nach der Bedeutung dieser mehr als ungewöhnlich ausladenden und detaillierten Beschreibung. Der Beitrag von M. Schausten erwägt eine kritische Haltung des Dichters gegenüber dem hochadligen Jagdeifer um 1200, die auch in theoretischen Texten entfaltet würde. Trifft dies zu, hätte dies weitreichende Konsequenzen für die Bewertung der Tristan-Figur, seiner Aufnahme am Hof und vor allem auch für die Gründe seiner Ablehnung durch denselben, welche mit den Verwerfungen seiner (noch) unbekannten und erfundenen Identität zusammenhängen.

Diskussionszusammenfassung: Kritisch diskutiert wurde M. Schaustens These, dass Gottfried mit seiner detailreichen Ausführung der Hirschbast-Szene eine kritische Haltung gegenüber dem Hof und dessen Ritualisierung der Jagd einnimmt. Die korrekte Hirschbast, welche mit adligem Jagdwissen verbunden ist, gewährt Tristan den Eintritt in König Markes Hof. Johannes von Salisbury, welcher Kritik am Hof übte, hielt dies für nötig, da selbst Kleriker an den höfischen Jagdzeremonien beteiligt waren. Des weiteren rückte die Wahrnehmung Tristans durch die Jäger in den Fokus. Tristan braucht seine Identität nicht auszuweisen, da sowohl sein durch Äußeres zur Erscheinung kommendes Adelscharisma wie auch sein Wissen um die höfische Jagdkunst seine Abstammung belegen. Die Neugier des Markehofes auf Tristans Namen äußert sich erst nach der Hirschbast, zwischen Jagd und Ankunft am Hof. Die Jagd ist eine in sich gerahmte, hierarchiefreie rituelle Handlung, in der die Identität Tristans zunächst belanglos erscheint. Nach M. Schausten wäre die breite Auserzählung der Hirschbast ein literarischer Reflex der Hofkritik zu verstehen. Der Markehof würde vor diesem Hintergrund als defizitär wahrgenommen. Es wurde diskutiert, ob anstatt Hofkritik nicht vielmehr das charismatische Momentum des adligen Erkennens im Zentrum der Darstellung steht, welches auch bei der Ankunft an Markes Hof zur signifikanten Aufführung kommt. Mit Tristan und dem als Kunstwerk (quasi wie ein Stilleben) wieder zusammengesetzten Hirsch kommt das Künstlerische/Künstliche an den Hof. Klangästhetische Aspekte, die Freude erzeugen, spielen dabei erneut eine besondere Rolle (Tristan spielt das Jagshorn süeze und in vremeder wîse, Tristans Stimme ist ebenfalls süeze; V. 3255). Die besondere Affiziertheit des Hofes durch musikalischen und stimmlichen Klang erweist sich hier zum ersten Mal.

erstellt am 20.10.2019 09:08:45 von C. Stridde

23.10. Klang, Kunst und Sinn (V. 546–586)


Lektürehinweise: Nach den strukturlogischen Bemerkungen zum Verhältnis von Elternvorgeschichte und Haupthandlung kehren wir noch einmal zurück zu literaturästhetischen Beobachtungen auf der Darstellungsebene der Handlung vor dem Hintergrund der Diskussion zu den reflexiven Passagen in Prolog und Literaturexkurs. Ein überschaubarer Ausschnitt aus der Beschreibung des Maifests an Markes Hof, an dem Riwalin noch vor Entwicklung der verhängnisvollen Minne zu Blanscheflur teilnimmt, soll einen Eindruck geben von der "Praxis" von Gottfrieds Poetik in Form- und Klang und eine Diskussion anregen bezüglich des Zusammenhangs von phänomenologischer Oberfläche und Sinn.

Diskussionszusammenfassung: Die Texte von Kurt Ruh und Karl Bertau stehen im Dialog miteinander. In seinem Text thematisiert Kurth Ruh die Schwertleiteepisode, welche seiner Ansicht nach nur ein Vorwand ist, um das Kunstprinzip des Dichters zu exponieren. Diese Episode habe zudem innerhalb der Handlung einen besonderen Stellenwert, da ihre Form zahlenästhetischen und zahlensymbolischen Prinzipien unterstehe. Eine "praktische" Umsetzung von Gottfrieds Kunstprinzip illustriert Ruh anhand der Schilderung des Maifests am Hof König Markes im Zusammenhang der Minneanbahnung zwischen Riwalin und Blanscheflur. Dort lösen eine extrem hohe Anzahl formaler, klanglicher und stilistischer Mittel eine "Versinnlichung der Sprache" aus, welche ihrer Zeit (auch im Vergleich zur zeitgenössischen Lyrik) voraus ist. Die Schilderung setzt Gottfried selbsterklärtes Stilideal (in Prolog und Literaturexkurs) um, welche sich insbesondere als Wirkungsästhetik versteht: Der Klang der Worte wirkt unmittelbar auf das herze und den muot der edelen herzen. Bertau sucht den "archimedischen Punkt" des Tristan-Romans. Dafür weist die spezifische Affinität von akustischen (klangbasierte Versinnlichung der Sprache), formal-strukturellen (paradigmatisches Erzählen, Kryptogramm) und enzyklopädischen (Exkurse, Bildungsideal) Momenten des Werkes nach. In der Diskussion haben wir die Frühlingsbeschreibung genauer untersucht. Es stellte sich heraus, dass diese Szene eine sehr hohe Dichte u.a. an Laut-, Reim- und Wortwiederholungen, Hyperbeln, Assonanzen, Äquivokationen, zwei- und mehrgliedrige Reimen usw. aufweist, während die Wahl der Metaphorik und Lexik im Zusammenhang der Schilderung des locus amoenus in höchsten Maße konventionell bleibt. Die Assoziation mit dem Minnesang ist nicht nur thematisch gegeben, sondern weist auch im Bild der Nachtigall auf den Literaturexkurs voraus. Die vielen Klangbilder evozieren beim Hörer die Imagination der Szenerie.

erstellt am 10.10.2019 10:09:55 von C. Stridde

16.10. Genealogie und Erbe: Präfigurationen in Tristans Elternvorgeschichte (V. 245-2040)


Lektürehinweise: Die Geschichte von Riwalin und Blanscheflur ist, wie viele Narrative von Elternvorgeschichten in der mhd. Epik (vgl. etwa Wolframs von Eschenbach Parzival), mit der Geschichte des/r Protagonisten in Beziehung zu setzen. Die Beziehungsmuster, nach denen die Verknüpfungen vorgenommen werden, können vielfältig sein. Die Forschung beschreibt und interpretiert sie je nach Frageinteresse unterschiedlich. Zunächst scheint ein typologischer Zusammenhang naheliegend, da (zurecht?) unterstellt wird, daß im Hochmittelalter solche narrativen Strukturmuster nicht anders als heilsgeschichtlich imprägniert gedacht worden sein können (vgl. dazu den entsprechenden Abschnitt im Beitrag von Haug, S. 217-221). Davon abgesehen, daß damit analytisch noch nicht viel gewonnen ist, wenn man dem fiktionalen Erzähltext ein solch allgemeines christliches Deutungsmuster zugrundelegt, stellt sich auch die Frage nach dem methodischen Umgang mit den notwendigerweise auftretenden Verwerfungen und Eigensinnen, welche bei solchen Diskursverschränkungen enstehen (vgl. auch unsere Diskussion zur Adaptation rhetorischer Muster, der Eucharistie-Analogie, der Verbindung paganer und christlicher Inspirationsmotive). Der Forschungsbeitrag nimmt das Beziehungsgeflecht von Elternvorgeschichte und Protagonistengeschichte aus emotionsgeschichtlicher Perspektive in den Blick vor dem Hintergrund von Überlegungen zu narrativen Mechanismen von Identitätsstiftung.

Zur Vervollständigung der vorangegangenen Diskussion zum "wahren Helikon" beginnen wir die Sitzung noch einmal mit der Lektüre des entsprechenden Abschnitts aus dem Literaturexkurs und fragen hier ebenfalls nach den analytischen Folgen von Diskursverschränkung. In diesem Zusammenhang lesen Sie bitte noch einmal die kurze Einlassung von Haug in seinem Beitrag, s.u., S. 215f.)

Diskussionszusammenfassung: Zur Vervollständigung der in der Vorwoche geführten Debatte haben wir noch einmal die Diskussion zum "wahren Helikon" aufgegriffen. Für Scholz sind christliches und antikes Insprirationsmotiv unvereinbar. Nach seiner Ansicht würde Gottfried dem antiken Modell eine klare Absage zugunsten des christlichen erteilen. Haug dagegen verweist in diesem Zusammenhang auf den Vorrang der literarisch-ästhetischen vor der historisch ethisch-normativen Bedeutung der Verknüpfung beider Modelle. Der Beitrag von Koch thematisiert vor dem Hintergrund der Analyse von Trauergesten in der Elternvorgeschichte unter anderem den Kontrast von Öffentlichkeit und Heimlichkeit, also die Doppelförmigkeit höfischen Lebens überhaupt. Nach Koch wird die Elternvorgeschichte entlang von Trauerszenen erzählt, welche in der Taufe des Kindes kulminieren: Tristan -> Triste -> Trauer. Mit der Vorgeschichte soll ein Konflikt gesät werden, indem dem eigentlich adligen Tristan diese Herkunft genommen wird. Sein Erbe muss jedoch irgendwie genealogisch legimitiert sein. Vorgeschichten, welche Haupthandlungen von Protagonisten präfigurieren, stehen in einer langen Tradition. Sie bearbeiten die Schwierigkeit, einen konfliktuösen Aspekt des wesenhaft Perfekten (vgl. die Herrschertugenden Riwalins getriuwe, küene, milte und rîch) darzustellen. Tristan vergilt wie sein Vater Riwalin ebenfalls Gewalt mit Gewalt (Morgan-Episode). Während Riwalins Handeln als jugendlicher Leichtsein entschuldigt wird, legitimiert sich Tristans auf andere Weise. Das Motiv der Tugendvervollkommnung (ohne Brautwerbungsambitionen) rundet zwar das Tugendensemble Riwalins ab, beinhaltet aber gleichzeitig einen blinden Fleck bezüglich herrschaftsnotwendiger Prokreation. Tristan demgegenüber fällt durch die Übererfüllung des Exorbitanzgebots des Protagonisten aus dem Rahmen. Tristan übersteigt das Maximum, ohne daß dies mit einer sichtbaren genealogischen Vergangenheit begründbare wäre. Das Liebe-Leid-Thema, in welches das ideale Publikum im Tristan-Prolog einbezogen wird, wird im Kontext der Minneanbahnung von Riwalin und Blanscheflur allegorisch mit dem Bild eines durch Leim festgehaltenen Vogels realisiert.

erstellt am 03.10.2019 10:42:03 von C. Stridde

09.10. Gottfrieds "Literaturkritik": Ambivalenzen im Literaturexkurs (V. 4547-5068)


Lektürehinweise: Neben dem Prolog skizziert Gottfried sein ästhetisches und literaturtheoretisches Programm im sogenannten Literaturexkurs (aka Dichterkatalog) im Kontext der Schilderung von Tristans Schwertleite am Hof König Markes. Ausgehend von dem verbreiteten rhetorischen Topos der dichterischen Selbstbescheidung äußert sich Gottfrieds zu einigen zeitgenössischen Autoren, wie Hartmann von Aue, Bligger von Steinach und einem nicht genannten, hinter dem man Wolfram von Eschenbach vermutet, und stellt (s)einem Dichterideal, welches der von der lateinischen Rhetorik geforderten perspicuitas das Wort zu reden scheint, ein poetisches Verfahren gegenüber, das er als "dunkel" und unverständlich bezeichnet und daher ablehne. Das Problem, das die Forschung seit Beginn der Tristanlektüre beschäftigt, ist, daß Gottfrieds eigene poetische Praxis schwer mit diesem selbsterklärten Ideal zu vereinbaren zu sein scheint, vielmehr, wie an den intendierten Uneindeutigkeiten, Ambivalenzen, begrifflichen Chiasmen, Kippfiguren und Diskursmischungen des Prologs schon deutlich wurde, auf die Seite der abzulehnenden obscuritas zu treiben scheint. Der seltsame Vergleich der neun Musen mit den neun Himmelschören und der "skandalöse" Dienst am "wahren Helikon", auf den Gottfried in diesem Textabschnitt anspielt, ist dafür schillernstes Beispiel. Wie läßt sich beides hermeneutisch integrieren auch vor dem Hintergrund der lateinischen Rhetoriktradition?

Add: Die Artikel zu perspicuitas und obscuritas können Sie mit Uni-Login im Historischen Wörterbuch der Rhetorik Online (links in die Suchmaske "jump to..." die entsprechenden Begriffe eingeben) nachrecherchieren.
Den Prolog des Parzival von Wolfram von Eschenbach, auf den Gottfried im 'Literaturexkurs' mutmaßlich Bezug nimmt, können Sie online in der Bibliotheca Augustana nachlesen. Die "Hasenverse" finden Sie V. 15-19.

Diskussionszusammenfassung: Im Zusammenhang mit den zeremoniellen Vorbereitungen zu Tristans Schwertleite erklärt Gottfried, dass er es nie so schön dichten könnte wie andere vor ihm und eröffnet damit einen Literaturexkurs, in dem er verschiedene Epiker und Lyriker und ihre Schreibweisen gegeneinander aufwiegt. In der Antike werden zwei rhetorische Stileideale unterschieden: Als der reine und gute Stil gilt die perspicuitas. Dabei soll die Sprache klar und unmissverständlich sein, fremde Wörter gilt es zu meiden, ebenso wie zu kurze oder zu lange Sätze, die den Leser verwirren könnten. Die obscuritas hingegen gilt als der verdorbene Stil, der geprägt ist von Allegorien und Metaphern, die nicht selbsterklärend auf den Leser wirken, sondern mehrdeutig und unrein seien. Dabei ist nicht sicher, in welchem Maße den Autoren des Mittelalters die antiken Rhetorik-Konzepte bekannt waren. Allerdings weist die gezielte Wortwahl Gottfrieds, die als volkssprachige Übersetzungen der lateinischen Begriffe verstehbar sind, auf eine breitere Kenntnis hin. Die Forschung ist zweigeteilt über die Frage, ob Gottfried selbst nun im Stil der obscuritas oder der perspicuitas gedichtet hat. Da er Wortneubildungen (Neologismen, teilweise Hapax legomona), Metaphern, Allegorien, ironische Sprechweisen, komplexe syntaktische Konstruktionen mit entsprechendem Eigensinn (z.B. Chiasmen) verwendet und eine auffällige Vorliebe für Äquivokationen (Homonymie) hat, ist der Schreibstil nicht vollkommen durchsichtig. Eine herausstechende "Stolperfalle" für den Rezipienten, die es nach Gottfrieds eigener Aussage zu vermeiden gelte, ist selbst eine kompositorische Neubildung. Das Lexem bickelworte scheint die Stile in nuce zu verbinden: Einerseits veranschaulicht die Fremdheit des Wortes die obscuritas und führt dem Rezipienten vor, wie perspicuitas nicht erreicht werden kann, was andererseits eine so klar und einleuchtende Selbstevidenz gehabt haben könnte, wie sie im Sinne der perspicuitas eben doch gefordert wird.

erstellt am 25.09.2019 18:21:24 von C. Stridde

02.10. Gottfrieds "Literaturtheorie": Prolog II (V. 1-244)


Lektürehinweise: Im Anschluß an die Erörterung zur Präsenz des Gönners im Medium der Handschrift, im Text des strophischen Prologs, zu den Mehrfachsemantiken von guot bzw. der guote man, lob und list im Hinblick auf die Rolle des Gönners DIETERICH und seiner Beziehung zu Autor, Publikum und Stoff, vertiefen wir die Analyse des Prologs und nehmen die literaturtheoretisch relevanten Aussagen in den Blick: Beobachtungen zu Form und Klang der Dichtung (Verhältnis von Wort und Sinn), den ästhetischen Prozeß und poetologische Reflexion, die Konkretisierung in den minnethischen Aussagen und ihre Repräsentanten, die edelen herzen, die Wirkunsästhetik, die sich in der eucharistischen Strukturanalogie (vorsichtig ausgedrückt) formuliert (brot, tôt).

Diskussionszusammenfassung: In dieser Sitzung beschäftigten wir uns erneut mit dem Prolog. Zu Beginn ging es zunächst darum, wie verwendete rhetorische Figuren als Überzeugungsstrategie angewendet werden, auch um dem Text Selbstlegitimation zu verleihen. Dies mag für den Tristan besonders wichtig sein, da für die schwierigen Uneindeutigkeiten, Indifferenzen und Mehrdeutigkeiten eine gewisse Vorübereinstimmung bei den Hörern erreicht werden muß. Begriffspaare wie Kunst und List, guot und übele und nicht zuletzt Leben und Tod, die auf formaler Ebene häufig in chiastischen Strukturen nebeneinander treten, verbinden sich gerade in ihrer Kontrastierung zu harmonisierenden Konzepten. Die Exordialtopik bemüht sich, so Haug, in dieser Hinsicht um ein Bekenntnis des Publikums zum Werk und seinen indifferenten Voraussetzungen. Rhetorisch appelliert Gottfried typischerweise an die Eitelkeit des Publikums, indem er sie als edele herzen zwar anspricht, sie jedoch erst eigentlich als Teil der Fiktion in den sie definierenden Versen (V. 60-63) erschafft. Zentral für die konzeptionelle Thematik des Prologs wurde die Analogie zur Echaristie diskutiert, da Gottfried explizit das lebendige brôt (V.233f) als finale Wirkung für alle edelen herzen nennt. Der Text übernimmt eine analoge Funktion zum eucharistischen Brot. Indem sich das Publikum zum Text bekennt, nimmt es in dieser Logik unmittelbar Teil am Schicksal Tristans und Isoldes. Damit ist jedoch kein verallgemeinerbarer universaler Anspruch für die volkssprachliche Dichtung verbunden, sondern betrifft das eigene poetische Werk und seine Wirkungsabsicht im minneethischen Horizont. Wahrheitsanspruch und Verbindlichkeit werden so in die Poetizität des Textes hinein verlagert. Ethischer und ästhetischer Anspruch der Dichtung gehen jeweils auseinander hervor.

erstellt am 18.09.2019 15:42:52 von C. Stridde

25.09. Text(ge)schichten: Prolog I (V. 1-244)


Lektürehinweise: Der Tristan-Prolog Gottfrieds von Straßburg ist, wie häufig die Prologe prominenter Großepik (vgl. etwa auch Wolframs von Eschenbach Parzival, Willehalm oder Hartmanns von Aue Iwein), neben dem sog. Literaturexkurs und der Minnegrotte der meistbesprochene Textabschnitt des Romans; selbst nur einzelne Strophen bzw. Verse (insbes. die erste und dritte Strophe des strophischen Prologs sowie die Vv. 233-240 des stichischen Prologs) sind Anlaß umfassender Untersuchungen und Einlassungen der Forschung. Im Prolog allgemein und in Gottfrieds im besonderen treten verschiedene Textschichten und -geschichten eng zusammen: Fragen der Textproduktion (handschriftliche Konzeption und tatsächliche Überlieferung [Stichwort: Akrostichon und Kryptogramm], werden ebenso virulent wie Gottfrieds Verhältnis zum Dichten als einer künstlerischen Praxis (Autor-Gönner-Beziehung, Rolle des Pubklikums), seinem Literatur- und Kunstverständnis (ideales Publikum [Stichwort: edele herzen], Wirkästhetik, gesellschaftliche Rolle von Kunst), dem Zusammenhang von Stofftradition, Vorlage und eigener Bearbeitung und erste Beobachtungen zu Gottfrieds ganz eigener und eigentümlicher Dichtersprache, die bereits einen ersten Eindruck von den Doppel- und Mehrdeutigkeiten geben, welche das gesamte Werk durchziehen. Der Forschungsbeitrag nimmt nur einen einzigen Aspekt, den des Gönners, in den Blick, von dem aus allerdings weitaus mehr Verbindungslinien zu weiterführenden Überlegungen möglich sind, als der Beitrag selbst auch nur andeutet.

In dieser ersten Diskussionsrunde um den Prolog sollen vor allem zunächst die "pragmatischen" Parameter im Vordergrund stehen: Autor und Gönner, Gottfrieds Aussagen zu seiner Vorlage sowie die besondere Rolle konzeptioneller und medialer Schriftlichket für seine Bearbeitung. Ausblicke auf sein praktisches wie ethisches Kunstverständnis, zur Rolle und Gebrauch der Dichtersprache (bis zu spezifischen Lexemen) vor dem Hintergrund der Gesamtkonzeption des Werks werden sich daraus ergeben.

Add: Die digital greifbare Überlieferung des Tristan-Romans für selbständige Beobachtungen am Akrostichon und dem Kryptogramm finden Sie im folgenden. Informationen zur Überlieferung, ihren Trägern und dazugehörige relevante Literatur finden Sie im Handschriftencensus des Marbuger Repertorium:

Einführende Informationen zum Kryptogramm und der Geschichte seiner Auffindung finden Sie bei MediaeWiki (dort auch die entsprechende Abbildung zum Strukturprinzip). Beachten Sie dort v.a. auch die angegebene Literatur, deren Konsultation für eine weitergehende wissenschaftiche Auseinandersetzung (etwa in einer schriftlichen Arbeit) unerläßlich ist!

Diskussionszusammenfassung: Wir interessieren uns für den Gönner, da er einen Einfluss auf den Autor und sein Werk gehabt haben könnte. Der Gönnername findet sich im Akrostichon des Tristan-Prologs. Das Kryptogramm, dessen Teil das Akrostichon ist, erstreckt sich über den ganzen Text. Aufgrund der spärlichen Info mußten die Zeitgenossen "Dietrich" gekannt haben. Mittels der Codierung im Akrostichon ist der Name über die Jahrhunderte beim Abschreiben nicht verloren gegangen. Der Text von Rüdiger Krohn fasst den Stand der Gönnerforschung zum Tristan zusammen und argumentiert dabei für die Identität des Gönners mit dem cellerarius des Straßburger Kollegiatsstifts St. Thomas. Krohn argumentiert, dass der Gönner gebildet sein musste und pro-staufisch eingestellt, da eine Spiegelung der Jugend des staufischen Kaisers Friederich II. mit Tristans Kindheits- und Jugendgeschichte vorliege. Krohns Argumente erscheinen allerdings etwas konstruiert. In unserer Diskussion kritisierten wir den Vergleich von Tristan mit Friederich II. Beispielsweise ist das als Ähnlichkeit genannte "Charisma" ein bei historischen Herrschern wie literarischen Ritterhelden immer wieder auftauchender Topos und daher weder spezifisch für Friederich II. noch Tristan. Der strophische Prolog unterscheidet sich stilistisch von den Reimpaarversen des stichischen Prologs sowie der Erzählung selbst und ist auch bezüglich spezifischen Wortmaterials interessant. Einige Wörter weisen eine auffallend schillernde Semantik auf: guot, list, êre, lop. Die Gönnerthematik ist in den ersten 9 Strophen des Prologs präsent, in Str. 1f. spezifisch als das guot und der guote man verstehbar. Andere Lesarten präferieren Gottfried und damit ein Eigenlob seines Werks oder das Gute (summum bonum), das von Gott kommt, sowie die Protagonisten und ihr Minnehandeln. Gerade in dieser womöglich intendierten unauflösbaren Mehrdeutigkeit findet sich sowohl die Schönheit, d.h. der ästhetische Anspruch, wie die Komplexität des ersten Prologteils.

erstellt am 16.09.2019 11:35:16 von C. Stridde

18.09. Einführung, Programm, Organisation


Einführung: Gottfrieds von Straßburg Tristan ist als die prominenteste Bearbeitung des Stoffes von der ehebrecherischen Liebe zwischen Tristan und Isolde zu betrachten. Gottfrieds Stil in Sprache und Erzählweise sowie seine Kunstauffassung haben im Mittelalter große Bewunderer und Nachahmer gefunden; die Überlieferung ist vergleichsweise breit. In der frühen philologischen Auseinandersetzung mit dem Text gab es dafür allerdings wenig Verständnis: Das Werk sei in Sprache und Stil widersprüchlich, inkohärent bis unverständlich, das Erzählte obszön und häretisch. Es sei ein schlechtes Buch. Zudem ist es auch noch Fragment geblieben, wahrscheinlich, weil der Autor sich dermaßen in Widersprüchlichkeiten verstrickt habe, daß er es nicht beenden konnte. Die aktuelle Meinung der Forschung könnte dem gegenüber kaum mehr des Lobes voll sein, trotzdem sie mit vielen Ungereimtheiten, welche der Roman ohne Frage auf vielen Ebenen enthält, noch längst nicht aufgeräumt hat. Jenseits vom Geschmacksurteil stellt uns der Roman in vielerlei Hinsicht vor methodische und analytische Schwierigkeiten. Fragen unter anderem nach der Kunstauffassung im Spannungsfeld von Autor, Gönner, Publikum und Werk, nach der Ethik von Minne und Religion, nach didaktischer Orientierung im Kontext höfischer Kommunikation treiben stets ›Ambivalenzen‹ und ›Differenzen‹ hervor, denen wir uns in der Seminardiskussion in Auseinandersetzung mit der Forschung stellen wollen.

Textgrundlage: Gottfried von Straßburg: Tristan. Mhd./Nhd. 3 Bde. Nach dem Text v. Friedrich Ranke. Hg. und übersetzt v. Rüdiger Krohn. Stuttgart 2005 (RUB 4471-3).

Seminarprogramm: Das Programm versteht sich als eine vorläufige Strukturierung des Semesters mit Vorschlägen für die Lektüre einschlägiger Forschung zu einzelnen Themenkomplexen. Eine gemeinsame Gesamtlektüre des Textes während des Semesters wird aufgrund des Umfangs nicht angstrebt; die Kenntnis des Romans wird zu Beginn des Semesters bei allen Teilnehmer*innen vorausgesetzt. In den Sitzungen werden wir uns auf ausgewählte Ausschnitte und Episoden konzentrieren und vor dem Hintergrund der Forschungsbeiträge im Zusammenhang von systematischen Fragestellungen diskutieren, die insbesondere das Problem der ›Ambivalenzen‹ und ›Differenzen‹ auf unterschiedlichen Ebenen nachgehen. Vorläufiges Programm

Leistungsnachweis:
1) Jede*r Teilnehmer*in wird einmal im Semester ein kleines Protokoll (nicht mehr als 1/2 A4-Seite) der Seminardiskussion in Textform anfertigen. Dieses sollte eine kleine Zusammenfassung der wichtigsten Diskussionspunkte in Textform enthalten und ggf. (noch) offengebliebene Fragen verzeichnen. Diese Protokolle dienen sowohl Ihrer individuellen Nach- und Vorbereitung des Seminars während des Semesters als auch als Impulse für das Verfassen Ihrer Hausarbeiten, in denen Sie nicht nur auf dem Stand der Forschung, sondern auch der Seminardiskussion argumentieren sollen. Die Protokolle Ihrer Kommiliton*innen helfen Ihnen dabei. Diese schriftliche Leistung kann quantitativ mit dem Umfang Ihrer Seminarabeit verrechnet werden.
2) Jede*r Teilnehmer*in wird einmal im Semster den für die jeweilige Sitzung ausgewählten Forschungsbeitrag vorstellen, d.h. die Fragestellung bzw. Hypothese darstellen, die Argumentation kurz nachzeichnen und allfällige Fragen sowie impulsgebende Gedanken für die Seminardiskussion formulieren. Sinnvoll kann daher eine Zusammenarbeit zwischen Impulsgeber*in und Protokolland*in sein. Die Darstellung des Forschungsbeitrages dient zur allgemeinen Einübung in die Forschungslektüre, dem Erlernen der Auswertung des jeweiligen Forschungsergebnisses für das eigene kritische wissenschaftliche Denken und Arbeiten sowie der Kompetenz in mündlicher Form Gelesenes kurz und prägnant nicht als Referat, sondern als impulsgebende Gesprächseinleitung wiederzugeben. Damit erwerben Sie sich grundlegende Fähigkeiten für die intensivierte Einarbeitung weiterführender Forschung für die Seminarbeit.
3) Jede*r Teilnehmer*in, der/die den erfolgreichen Abschluß des Moduls anstrebt, wird eine Seminararbeit im Umfang von 8-10 Seiten verfertigen. Hinweise für die formale Gestaltung gibt das Merkblatt zum Verfassen einer schriftlichen Übung/Arbeit der Abteilung ÄDL. Eine persönliche Vorbesprechung des Themas auf Grundlage einer selbst erarbeiteten Fragestellung ist obligatorisch.

erstellt am 16.09.2019 11:32:14 von C. Stridde

Herzlich Willkommen im ÄDL-Seminar (Lektüren und Interpretationen 160-110a)
Nein unde jâ sint beidu dâ. Gottfrieds von Straßburg Tristan


Diese das Seminar kontinuierlich begleitende Internetseite funktioniert - strukturell gesehen - wie ein Blog. Das heißt: Den aktuellsten Beitrag finden Sie immer am Kopf der Seite, bzw. dieses linken Frames. So verlieren Sie nie die Orientierung und verpassen nichts. Der linke Frame wird ab der kommenden Woche das neben dem Roman selbst verbindlich vorzubereitende Material sowie dazugehörige Leseanweisungen und Denkanstöße zu den einzelnen Sitzungen bereitstellen. Neben dem Roman, den Sie sich vor Beginn des Semesters bereits angeschafft und gelesen haben, erhalten Sie die im Programm angegebenen Aufsätze als Paßwort-verschlüsselte *.pdf. Das Paßwort entnehmen Sie bitte dem papiernen Handout, daß Sie in der ersten Sitzung persönlich erhalten haben. Bild- und anderes Material wird gegebenenfalls hier direkt eingebunden zu betrachten sein oder entsprechend verlinkt.

Um die Seminardiskussion angemessen zu dokumentieren und für das Weiterdenken und -diskutieren in den folgenden Sitzungen jederzeit in Erinnerung zu rufen, werden die von den Teilnehmer*innen des Seminars verfertigten Protokolle nach den einzelnen Sitzungen auf dieser Website anonym veröffentlicht.

Darüberhinaus werden an dieser Stelle interessante und/oder nützliche Add(itional)-Informationen zur Ergänzung der Seminardiskussion veröffentlicht. Insbesondere auf diesen Bereich der Website haben Sie einen eigenen, direkten Einfluß: Wünschen Sie weitere Informationen, Links oder Literaturtips zu einem bestimmten Thema? Lassen Sie es mich wissen, und ich bemühe mich Ihren Wissensdurst ebenso zu stillen wie zu nähren.

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Verbindlicher Abgabetermin für die Hausarbeiten ist der 15.05.2020.


 
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PD Dr. Christine Stridde

Universität Zürich
Deutsches Seminar
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Sprechstunde: Do 12:00-13:00

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Sprechstunden in den Semesterferien:
07.01.2020, 16:00-17:00 Uhr
29.01.2020, 15:00-16:00 Uhr
Für diese Termine bitte ich um eine verbindliche Anmeldung vorab via E-Mail.


 
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Christoph Huber: Bibliographie zum Tristan (1984-2002)